Zahlen Sie trotz Mietpreisbremse zu viel Miete?

Großstädte haben einen ganz besonderen Reiz. Sie sind international, aufregend und bieten oft ein wildes Nachtleben, fernab von der ländlichen Heimat. Immer mehr Menschen wollen daran teilhaben und drängen in die Stadt – gleichzeitig entstehen nur wenige Neubauten für den immer größeren Bedarf. Steigende Mieten sind die logische Folge. Spitzenreiter Berlin steht mit einer Mietpreiserhöhung von 56 % innerhalb der letzten 5 Jahre exemplarisch für die Entwicklung in vielen deutschen Ballungsräumen. Die übermäßig stark steigenden Mietpreise haben zu einem Umdenken bei der Gesetzgebung geführt. Die sogenannte „Mietpreisbremse” wurde 2015 verabschiedet, um unverhältnismäßig hohen Mieten den Kampf anzusagen. Etliche Erhebungen zeigen allerdings, dass Vermieter in einer Vielzahl von Fällen gegen die Bremse verstoßen. Wie Sie Ihre eigene Miete kontrollieren und was Sie im Falle von zu hohen Mieten unternehmen können, lesen Sie hier!


Inhaltsverzeichnis:

1 – Die Mietpreisbremse
2 – Ergebnisse von Untersuchungen
3 – Was kann ich tun?


Die Mietpreisbremse

Seit dem 1. Juni 2015 sorgt eine Gesetzesänderung dafür, dass Mietpreise nicht mehr unverhältnismäßig stark steigen dürfen. In angespannten Wohnungsmärkten darf die verlangte Miete, bei Abschluss eines neuen Vertrags, höchstens 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Angespannte Wohnungsmärkte werden durch die folgenden 4 Kriterien definiert:

  • Bevölkerungswachstum
  • Leerstandsquote
  • Mietentwicklung
  • Mietbelastung

 

Zu diesen Märkten zählen unter anderem Berlin, Hamburg, Bremen und München. Insgesamt haben inzwischen 12 Bundesländer in 313 Städten und Gemeinden die Mietpreisbremse eingeführt. Ausgenommen von der Regelung sind umfassend modernisierte Wohnungen, sowie Neubauten, die nach dem 1.10.2014 erstmals genutzt / vermietet wurden. Außerdem ist der Vermieter nicht dazu verpflichtet, einen Mietpreis zu senken, der bereits vor der Gesetzesänderung über der Vergleichsmiete lag.

Ergebnisse von Untersuchungen

Eine im Mai 2017 durchgeführte Studie hat Daten aus sechs deutschen Großstädten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Stuttgart) ausgewertet. Die Anzahl der Verstöße gegen die Mietpreisbremse liegt in Städten wie München, Köln oder Berlin bei über 70 %. Im Schnitt werde 220 € mehr Miete gezahlt als nach Gesetz zulässig.

Da diese Regelung nicht vom Staat forciert wird, muss sich der Mieter selbst mit dem Thema beschäftigen und eigenmächtig die nötigen Schritte ergreifen, um den eigenen Mietpreis richtigzustellen. Unzureichende Sanktionen, sowie die fehlende Auskunftspflicht des Vermieters über den vorherigen Mietpreis sorgen dafür, dass die Bremse bislang oft ihr Ziel verfehlt.
Auch deshalb wird vom deutschen Mieterbund eine Nachbesserung gefordert.

Was kann ich tun?

Im Grunde haben sie 3 Möglichkeiten:

1. „Do it yourself“:

Mit Hilfe des örtlichen Mietspiegels können Sie selbst den laut Gesetz zulässigen Mietpreis ermitteln und diesen mit Ihrer Mietzahlung vergleichen.

Ortsübliche Vergleichsmiete x 1,1 = zulässiger Mietpreis

Die ortsübliche Vergleichsmiete können Sie online erfahren. Sollten Sie zu viel für Ihre Wohnung zahlen, müssen Sie dies, in Form eines qualifizierten Rügeschreibens, Ihrem Vermieter mitteilen. Falls der Mieter die Senkung akzeptiert, reduziert sich nicht nur die zukünftige Mietzahlung – auch die überschüssigen Beiträge aus den Vormonaten können von Ihnen gesetzlich eingefordert werden. Lenkt der Vermieter nicht ein, müssen Sie über einen Anwalt Klage einreichen. Wenden Sie sich im besten Fall an einen Mieterverein bei der Erstellung eines Rügeschreibens.

2. Anwalt:

Natürlich haben Sie auch die Möglichkeit, sofort einen Anwalt zu beauftragen, um die Mietsenkung durchzusetzen. Sie erhalten eine individuelle Rechtsberatung, müssen aber auch mit Kosten rechnen. Sollten Sie Mitglied eines Mietervereins sein oder eine Rechtsschutzversicherung mit Mietrecht haben, werden Ihre Kosten möglicherweise übernommen. Wir raten Ihnen dazu, sich vorher mit Ihrem jeweiligen Ansprechpartner auszutauschen, um genauere Informationen zur Kostenübernahme zu erhalten.

3. Online-Mieterportal:

Die Stiftung Warentest empfiehlt das Mieterportal wenigermiete.de. Mieter können mit Hilfe eines kostenlosen Online-Rechners ermitteln, ob sie Anspruch auf eine Mietsenkung haben und im Anschluss direkt den Auftrag zur Rechtsdurchsetzung erteilen. Ihr Kostenrisiko ist hierbei minimal, da ein Honorar nur im Erfolgsfall anfällt. Dieses beträgt dann allerdings ⅓ der im ersten Jahr ersparten Mietkosten.

Für welchen Weg Sie sich auch entscheiden: Es ist Ihr gutes Recht die Mietpreisbremse zu ziehen! Wir wünschen viel Erfolg!

Ihr Movinga-Team