So ziehen Sie Ihren Umzug für 2018/19 von der Steuer ab

Ein Wohnungswechsel kann mit hohen Kosten verbunden sein. Maklergebühren, Transport- und Fahrtkosten, Renovierungsarbeiten, Übernachtungskosten und womöglich doppelte Mietzahlungen belasten Ihren Geldbeutel. Wechseln Sie Ihren Wohnort aus beruflichen Gründen oder zu Ausbildungszwecken, können Sie aber zum Glück viele Aufwendungen bei der Steuer absetzen oder abziehen. Auch privat veranlasste Umzüge können in Teilen steuerlich geltend gemacht werden.


Inhaltsverzeichnis

1 - Wann liegt ein beruflich veranlasster Umzug vor?
2 - Wie können Umzüge aus privaten Gründen von der Steuer abgesetzt werden?
3 - Welche Umzugskosten können von der Steuer abgesetzt werden?
4 - Welche Kosten können bei einer doppelten Haushaltsführung abgesetzt werden?
5 - Wann und für was gilt die Umzugskostenpauschale?


 

Wann liegt ein beruflich veranlasster Umzug vor?

Kann nachgewiesen werden, dass ein Umzug vorrangig aus beruflichen oder ausbildungsbedingten Gründen notwendig ist, können die entstehenden Umzugskosten in der nächsten Steuererklärung als Werbungskosten geltend gemacht werden. Das Finanzamt erkennt einen beruflich veranlassten Umzug an, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Der Umzug erfolgt aufgrund der Aufnahme eines Studiums oder einer Ausbildung.
  • Es wird zum ersten Mal eine Arbeit aufgenommen (bspw. nach der Ausbildung).
  • Es wird eine neue Arbeit in einer anderen Stadt aufgenommen.
  • Eine vom Arbeitgeber gestellte Dienstwohnung wird aufgegeben.
  • Durch den Umzug verkürzt sich der Weg zum Arbeitsplatz (die Fahrtzeit für Hin- und Rückfahrt muss sich hierbei um mindestens eine Stunde verringern).
  • Eine beruflich bedingte Zweitwohnung wird aufgelöst und eine Familienwohnung am Arbeitsort bezogen.
  • Es wird eine Zweitwohnung zu beruflichen Zwecken eingerichtet.

Können Umzüge aus privaten Gründen steuerlich geltend gemacht werden?

Wenn Sie aus rein privaten Gründen umziehen, z.B. weil der Vermieter gekündigt hat oder Sie mit Ihrem Lebenspartner zusammenziehen, können Sie die Kosten wenigstens zum Teil steuerlich geltend machen. Pro Jahr sind im Rahmen der sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen 20 Prozent der Arbeitskosten des Umzugs anrechenbar – maximal jedoch 4.000 Euro.

Ist ein Umzug aus gesundheitlichen Gründen notwendig, etwa aufgrund einer Behinderung, eines Unfalls oder aus Altersgründen, können Sie die Umzugskosten als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung angeben. In diesem Fall kann das Finanzamt ein ärztliches Attest als Nachweis verlangen.

Welche Umzugskosten können von der Steuer abgesetzt werden?

Bei Vorlage von entsprechenden Belegen (Rechnungen, Kontoauszüge etc.) können Sie folgende typische Kosten im Rahmen eines Wohnungswechsels steuerlich geltend machen.

Wohnungssuche: Für Fahrten zur Besichtigung einer möglichen neuen Wohnung kann eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer beansprucht werden. Alternativ können gegen Nachweis (Bahnticket etc.) auch die tatsächlichen Fahrtkosten angesetzt werden. Ob die Wohnungssuche letztlich erfolgreich war, spielt keine Rolle.
Übernachtungskosten: Im Rahmen der Wohnungssuche können die Übernachtungskosten für maximal vier Tage (zwei Reise- und zwei Aufenthaltstage) angesetzt werden.
Maklergebühren: Werden für die Vermittlung einer neuen Wohnung Maklergebühren oder sonstige Provisionszahlungen fällig, sind diese steuerlich anrechenbar.
Transport- und Fahrtkosten: Wird ein Umzugsunternehmen beauftragt, können anfallende Kosten angerechnet werden. Wenn Sie den Umzug selbst durchführen, können sie die Kilometerpauschale von 30 Cent nutzen und ggf. die Kosten für einen Mietwagen ansetzen.
Doppelte Mietzahlungen: Maximal drei Monatsmieten für die neue sowie sechs Monatsmieten für die alte Wohnung können Sie bei der Steuer absetzen, sofern die neue Wohnung erst später bezugsfertig ist bzw. der Mietvertrag für die alte Wohnung nicht früher gekündigt werden kann.
Renovierungskosten: Kosten für das Streichen oder Tapezieren der alten sowie der neuen Wohnung können ebenso angesetzt werden.

Sie sind oder waren bis vor kurzem Student und sind umgezogen? Bis zu 7 Jahre rückwirkend können Sie die Umzugskosten steuerlich geltend machen.

Welche Kosten können bei einer doppelten Haushaltsführung abgesetzt werden?

Wird aus beruflichen Gründen am Arbeitsort ein zweiter Haushalt gegründet, können neben den oben genannten Kosten noch viele weitere Aufwendungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung abgesetzt werden. Hierzu zählen:

  • Miete und Nebenkosten am Zweitwohnsitz
  • ggf. Zweitwohnungsteuer
  • Rundfunkbeitrag
  • Fahrten zwischen Erst- und Zweitwohnsitz (30 Cent pro Kilometer)
  • Grundausstattung für die Zweitwohnung (Bett, Schreibtisch, Sofa, Waschmaschine, Herd, Beleuchtung etc.)
  • Verpflegungsmehraufwand (für die ersten drei Monate nach Einzug in die Zweitwohnung gibt es pro Tag eine Pauschale von 24 Euro)

Eine doppelte Haushaltsführung erkennt das Finanzamt nur an, wenn folgende vier Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Zweitwohnung wird aus beruflichen Gründen bezogen.
  • Von der Zweitwohnung ist die Arbeitsstätte schneller zu erreichen als vom Erstwohnsitz.
  • Der Erstwohnsitz ist zugleich Lebensmittelpunkt (Familie und Freundeskreis).
  • Es liegt eine finanzielle Beteiligung am Erstwohnsitz vor.

Wann und wofür gilt die Umzugskostenpauschale?

Sie können abweichend von den tatsächlich entstandenen Umzugskosten grundsätzlich auch die Umzugskostenpauschale in Höhe von 764 Euro für Singles (Stand: 01.01.2018), bei Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnerschaften 1.528 Euro (Stand: 01.01.2018) in Anspruch nehmen. Für jede weitere im Haushalt befindliche Person (Kinder, zu pflegende Verwandte, etc.) kann eine Pauschale in Höhe von 337 EUR (Stand: 01.01.2018) in Anspruch genommen werden. Die Umzugskostenpauschale deckt alle weiteren mit einem Wohnungswechsel verbundenen Ausgaben ab.


Erfahren Sie hier mehr über die Umzugskostenpauschale 2018/2019

Für die Geltendmachung der Umzugskosten in Ihrer privaten Steuererklärung fragen Sie bitte Ihren persönlichen Steuerberater. Über die Anerkennung von Umzugskosten als steuermindernde Werbungskosten, haushaltsnahen Dienstleistungen oder außergewöhnliche Belastung entscheidet das für Sie zuständige Finanzamt.